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Taguaschmuck

1. Fakten

Tagua, auch Steinnuss, Corozo oder pflanzliches Elfenbein genannt, ist der getrocknete Same einer Palme (Phytelephas macrocarpa), die zu einer der altertümlichsten Palmengattungen gehört. Die Taguapalmen, in mehrere Arten vorhanden, wachsen in den tropischen Regenwäldern Südamerikas. Sie bevorzugen feuchte Gebiete und reichen im Durchschnitt eine Höhe von 6 bis 8 m. Die weiblichen Palmen produzieren jährlich etwa 20 kopfgroße, krustige Früchte, die mit Axt oder Machete zu ernten sind. Sie sind in Kammern gegliedert und enthalten, in Fruchtfleisch eingebettet, jeweils mehrere Dutzend Nüsse von der Größe einer Olive bis zu einem Hühnerei.

Als wichtige Exportländer treten Kolumbien, Ecuador, Peru und Brasilien auf.

 

2. Geschichte

Die Bewohner der Verbreitungsgebieten der Tagua-Palme kennen die nützlichen Taguanüsse schon seit vielen Generationen.  Durch den Seehandel wurde 1826 die Tagua in Europa eingeführt, und dann auch in fernöstlichen Ländern (Berühmt wurden japanische Miniaturschnitzereien, „Netsuke“ genannt). Durch etwa zwei Jahrhunderte war die Tagua als Elfenbeinersatz willkommen. Verschiedene Arten und Qualitäten wurden unterschieden und nach ihren Verschiffungshäfen benannt (z. B. „Guayaquil“ in Ecuador, „Cartagena“ oder „Kleine Savanilla“ in Kolumbien) und wurden besonders in Wien verarbeitet. In den 1920er Jahren hatte die Tagua ihre Hochzeit erreicht. Tonnenweise wurde sie nach Europa importiert und in industrieller Massenfertigung besonders zu Knöpfen verarbeitet. Nach dem 2. Weltkrieg nahm die Verwendung von Tagua schnell ab. Preiswertere Kunststoffe ersetzten den Naturstoff.

 

3. Verarbeitung

Die Verarbeitung der Tagua erfolgt in mühsamen Einzelschritten: Nach der Ernte sind die Nüsse noch weich und feucht. Nachdem sie mehrere Monate an der Sonne getrocknet, werden die Nüsse allmählich fester, bis sie schließlich knochenhart werden. Zunächst muss die Nuss von ihrer braunschwarzen Außenhaut manuell durch Abklopfen befreit werden. Das elfenbeinfarbenes Material kommt dabei zum Schein.

Die geeigneten Nüssen müssen ausgesucht werden, da viele davon innen hohl sind. Danach lassen sie sich sägen, fräsen, drechseln, schnitzen zu ihrer endgültigen, gewünschten Form. Durch das Polieren wird eine marmorierte Struktur sichtbar. Es lässt sich gut einfärben. Es blättert nicht und ist erstaunlich unempfindlich gegenüber Stoß und Abrieb.

 

4. Herstellung von Modeschmuck

Chiquinquirá, eine kleine Stadt in den kolumbianischen Anden, gilt seit ungefähr 80 Jahren als Tagua-Stadt Kolumbiens. Diese Tradition haben bis heute 3 Generationen von Handwerkern weiterentwickelt. Die Tagua wird dort, anders als in Ecuador, nicht geschnitzt sondern mit der Drehbank verarbeitet. Die Taguaverarbeitung in Chiquinquirá besteht aus Familienbetrieben, die ihre Geschäfte auch selbst wirtschaften. Dekorative Produkte und Schachspiele sind traditionelle Motive ihrer Arbeit.

Unsere Firma arbeitet zusammen mit einer Handwerkerfamilie. Sie besteht aus 3 Brüdern, die den Beruf von ihrem Vater gelernt haben. Sie meistern die Arbeit mit der Drehbank. Zusammen gestalten und experimentieren wir mit Formen, die für den internationalen Modeschmuckmarkt interessant sind. Unterstützung mit den aktuellen, diktierten Tendenzen und Farben ist immer willkommen. Der Zugang dazu ist leider nur in der Hauptstadtmöglich. Initiativen der Gemeinde und der Regierung zur Ausbildung in verschiedenen Arbeitstechniken ist noch nicht richtig gelungen.